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Wohnt Gott auf dem Meer?

Der "geistige Fahrtensegler" und die Frage nach den "letzten Dingen".

Während ich diesen Text beginne, scheint es mir, als hätte ich telepathische Fähigkeiten. Denn der Titel wird wohl bei den meisten Lesern, egal wie der Einzelne das für sich formulieren mag, sinngemäß ein "Ja spinnt dieser Mensch?" hervorrufen. Das Thema erscheint zu groß, als dass sich ein Laie darüber äußern dürfte oder zu naiv in der Fragestellung. Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, muss ich also "wohl oder übel" einige Argumente und Überlegungen vorausschicken, die mein Vorhaben und die Motivation dazu begründen. Ich will das mit einem (selbstverständlich wie stets "hinkenden", aber nichtsdestoweniger hilfreichen) Vergleich versuchen.

Die Weisheit der Dilettanten

Eigentlich sollte jeder Mensch, der mit einem Schiff, egal wie groß, das Meer befährt, im Besitz gewisser Kenntnisse auf den Gebieten Meteorologie, Aerodynamik, Strömungstechnik, Elektrotechnik, Funk- und Radiotechnik, Motortechnik, Materialphysik und Satellitentechnik sein. Sinnvoll wäre außerdem, wenn man sich mit einigen Grundlagen der Chaostheorie auseinandergesetzt hätte, um die Entwicklung von Wettersystemen, Wolken und Wellen, wo nicht verstehen so doch etwas besser einschätzen zu lernen. Viele kapitulieren vor diesem Berg an Kenntnissen und buchen, wenn sie denn einen Drang zur Seefahrt verspüren, eine komfortable Kreuzfahrt. Oder sie stechen an einem ruhigen Tag in See mit einem Motorboot, bei dem die einzige Herausforderung das Auffinden des Schlitzes ist, in den der Zündschlüssel zum Starten des Motors gesteckt werden kann.

Recht ähnlich erscheint oft die Einstellung vieler Menschen zu sinngebenden Grundlagen und Zusammenhängen ihrer Existenz. Grob gesagt spreizt sich das Spektrum zwischen denen, die diesen Themenkomplex und seine Verwaltung an Institutionen wie die Kirchen abgegeben haben und jenen, die das Thema ganz einfach aus ihrem Denken verbannt haben. Letztere haben vielleicht noch mit dem Etikett "Agnostiker" oder, wohlfeiler, "Atheist" ein Feigenblatt vor die Blöße ihrer Denkverweigerung in diese Richtung gebunden, um fortan unbeschwert mit einem metaphysischen Minimalgepäck durch ihr Leben zu ziehen. Das funktioniert vielleicht, so lange alles "gut" geht, was im Leben jedoch nie der Fall ist - endet es doch stets tödlich.

Um zum maritimen Vergleich zurückzukehren, gibt es zwischen denen, die vor dem überbordenden Berg an "eigentlich" geforderten Kenntnissen zurückschrecken und lieber eine Kreuzfahrt buchen und denen, die höchstens einmal an einem ruhigen Tag mit einem Motorboot zu einer kurzen Spritztour in See stechen, eine dritte Gruppe von Menschen. Denen ist es zu langweilig, sich auf einer schwimmenden Stadt über´s Meer chauffieren zu lassen und zu profan, das Meer als Schnellstrasse zu benutzen. Und sei es nur aus der Überlegung heraus, dass das Letztere sowohl aus ökonomischer wie ökologischer Sicht eine der dümmsten, weil uneffektivsten, Methoden ist, sich fortzubewegen.

Die Rede ist, wie sich dem Kenner der Materie wohl bereits angedeutet hat, von der Gruppe der Segler. Insbesondere dem kleinen Völkchen der Fahrtensegler. Sie haben kein "richtiges" Kapitänspatent wie die Lenker der großen Kreuzfahrtschiffe und ihre Kenntnis all des "eigentlich" geforderten Wissens wird sich stets auf dem mehr oder weniger hohen Level eines ambitionierten Dilettanten bewegen. Trotzdem werden ihre Kenntnisse und Erfahrungen, ihr Gespür für die Gesamtheit der Bedeutung dessen, was "Meer" bedeutet, die kümmerlichen Anschauungen von Kreuzfahrtpassagieren und Motorbootfahrern stets weit überschreiten. Ist das "notwendig"? Nun - wozu gehen wir auf´s Wasser? Letztendlich im besten Falle zu nichts anderem, als zum Erleben des Phänomens "Meer". Reine Fortbewegung über eine bestimmte Distanz ist mit Auto und Flugzeug schneller und billiger zu haben. Wer aber mit einem Kreuzfahrtdampfer oder Motorboot auf´s Meer geht, bekommt nur noch ein schwaches Surrogat des eigentlich möglichen Erlebens mit. Es geht also um den Luxus, etwas Grandioses, nämlich die Weite und das Zusammenspiel der Elemente, in einer Form zu genießen, die am besten geeignet ist, seine Größe überhaupt erst sinnlich erfassen zu können.

Auf fast jedem Fahrtenschiff steht eine lange Reihe von Fachbüchern im seefesten Bücherregal ("Schapp" genannt). Und jeder Skipper wird sich daraus so viel maritimes Wissen wie möglich erlesen. Trotzdem gibt es in jedem Hafen ausführliche Erzähl- und Diskussionsrunden. Erfahrungen aus der direkten Praxis ergeben eben oft Erkenntnisse, die lebensnaher als manches Bücherwissen und damit viel direkter anwendbar sind. Auch die inzwischen recht zahlreichen Internetseiten, auf denen Fahrtensegler ihre Erlebnisse und Erfahrungen schildern, sind eine wertvolle virtuelle Tauschbörse seglerischer Empirik.

Nach diesen Ausführungen ist vielleicht etwas besser nachvollziehbar, wohin dieser Text zielt. Ich bin kein bestallter Vertreter einer Organisation, kein studierter Theologe oder Philosoph. Aber ich bin nicht nur auf dem Meer, sondern auch in meiner generellen Lebenseinstellung ein "Fahrtensegler". Ein Mensch, für den es "Luxus" bedeutet, etwas ganz hautnah selbst zu erleben. Es würde mir nie in den Sinn kommen, eine Kreuzfahrt zu buchen oder ein Motorboot zu kaufen. Ebenso wenig wie ich in meinem Leben so existenzielle Überlegungen wie "die Frage nach "Gott" an eine Kirche delegieren würde, weil ich kein Theologe bin. Und ich empfände es als "blinden Fleck" meiner Lebensführung, diese Frage gleich ganz auszuklammern, weil mir eine Beschäftigung zu mühsam ist. Die "Idee von Gott" hat im Denken der Menschheit und der Entwicklung aller Grundlagen unserer Kultur, deren Auswirkungen mich ja täglich beeinflussen und betreffen, eine zu große Bedeutung, als dass ich meine persönliche Definition des Themas anderen überlassen würde oder gar nicht erst entwickeln wollte.

Bürgerliche Fluchtbewegung

Ein Teil der Gründe für meine Skepsis gegenüber kirchlichen Institutionen ist in diesen selbst begründet. Die Grundlehre, aus der christliche Kirchen entstanden sind, war eine äußerst dynamische und kreative Angelegenheit. Vor zwei-/dreitausend Jahren führten die wichtigsten Handelsstraßen durch Palästina. Die alte Hochkultur Ägyptens und die in Blüte stehenden Hochkulturen der Griechen und Römer befanden sich in direkter "Nachbarschaft". Händler und andere Reisende aus Ländern bis weit in den asiatischen Raum kamen durch die Gegend. Ein Kreis von Intellektuellen (Nazarener) sammelte das Wissen, das dadurch "eingeschleppt" wurde und das sich, anders als in den Zentren Rom und Athen mit ihren etablierten Schulen relativ frei und "anarchisch" zu der in der Bibel vorgestellten, damals revolutionär neuen Idee des Gottesbegriffs entwickeln konnte, aus der wiederum letztendlich die christliche Religion entstand. Wo sich Menschen versammeln, entstehen organisatorische Strukturen, bilden sich Führerfiguren aus, institutionalisiert sich die Bewegung. So entwickelten sich, extrem gerafft, die Kirchen. Mehr sind sie in meinen Augen nicht. Alles andere ist über Jahrhunderte gewachsene menschliche Anmaßung. Und leider haben diese Kirchen aus dem Ewigkeitsanspruch der von ihnen recht und schlecht verwalteten Lehre abgeleitet, dass in Kern und Ausführung ihrer Institution und ihres Denkens keine Weiterentwicklung, keine "Modellpflege" mehr vonnöten sei. Also finden sich die Kirchen mit ihrem angestaubten Gottesbild seit Aufklärung und Säkularisierung in einer Situation wieder, die der eines "Trabbi"-Kombinats in der ehemaligen "DDR" kurz nach der Wende entspricht. Ihr veraltetes "Modell" findet immer weniger "Abnehmer". Ein Teil der Menschen wandert ab in Richtung Esotherik, der überwiegende Rest verbleibt verwaist in einer geistlichen Wüste, was verheerende Folgen für die moralische und ethische Befindlichkeit unserer Gesellschaft hat. Leider kann man keinem denkenden Menschen unserer Tage mehr verübeln, wenn ihm die mit orientalischem Bombast verklausulierten Lehren der Bibel nichts mehr sagen. Vor allem, wenn diese in den Kirchen noch immer hartnäckig als "ewige Wahrheit" unverändert und zumeist rhetorisch kläglich dargeboten werden. Eine Lehre, deren Stil berede davon erzählt, dass sie in einem völlig anderen Kulturkreis für eine überwiegend ungebildete Gesellschaft von Analphabeten ausformuliert wurde. Der Satz des Bibelübersetzers Luther "Das Wort sie sollen lassen stahn" wurde dazu missbraucht, auch gleich das interpretatorische Denken und den "interdisziplinären" Austausch mit anderen Religionen in stoische Unbeweglichkeit zu zementieren - zumindest, was die von den Kanzeln gepredigte offizielle Lehrmeinung betrifft. Löbliche Ausnahme: Professor Hans Küng, der den Dialog mit anderen Religionen initiierte, allerdings auch vor einigen Jahren als Quittung für sein Querdenkertum seines Amtes enthoben wurde. Dass selbst heute noch ein Trennstrich durch verschiedene Richtungen christlicher Kirchen geht, zeigt die Misere in ihrer ganzen desaströsen Lächerlichkeit. Eine Institution, die die geniale Idee einer alles umfassenden Kraft noch als bildreich ausgeschmückte Gottes-Person darstellen will, darf getrost als geistige Zumutung gewertet werden. Das Ignorieren vieler hundert Entwicklungsjahre abendländischer Geistesgeschichte und das Behandeln der Zuhörer als zu keiner Abstraktion fähige Analphabeten ohne die geringste Schulbildung stellt die Defizite einer Institution bloß, die einen riesigen Wust nicht gemachter "Hausaufgaben" vor sich herschiebt.

Was ich bei dieser Entwicklung als wirklich bedauerlich und tragisch empfinde, ist, dass dabei "die Idee von Gott" unter die metaphorischen Räder gerät. Wir haben in unserer Kultur keinen Ersatz für eine Konsens schaffende Lehre von dem, was "über alle menschliche Vernunft" hinausgeht. Die Folge ist, dass viele Menschen den "Lieben Gott" der Kirchen (zu Recht) als ziemlich dämlich empfinden und damit auch gleich die eigentlich unverzichtbaren Weisheitslehren der Bibel ausgemustert haben. Ein Grundgesetz oder ähnliche Hervorbringungen können diesen Verlust nicht ausgleichen, weshalb an den Gesetzeswerken ständig herumgeflickt werden muss, wie an einem löchrigen Kessel. Ein gesellschaftsweiter moralischer Grundkonsens kann dadurch jedoch nie ersetzt werden. Und dass dieser in einer zeitgemäß aktualisierten Form fehlt, ist in vollem Umfang den tragischen Versäumnissen der Kirchen anzulasten.

Auch die "bürgerlichen Fluchtbewegungen" in die Richtung esotherischer Alternativen können hier keinen Ersatz bieten, da durch sie kein verbindender und verbindlicher Konsens entsteht. Viel eher gebiert diese Entwicklung eine spirituelle "Sprachverwirrung", wie sie bereits in der biblischen Sage vom "Turmbau zu Babel" geschildert wird. Die einzige Hoffnung, die in dieser Richtung bleibt, ist die, dass auf religiösem Gebiet die gleiche Entwicklung wie in der Medizin eintritt: Anfänglich von wenigen im besten Sinn des Wortes "dilettierenden" Vordenkern praktizierte "alternative" Heilweisen werden in immer stärkerem (aber noch längst nicht befriedigendem) Umfang in die etablierte Medizin eingebunden und damit flächendeckend "hoffähig". Es würde ein pluralistischeres Religionsmodell entstehen, das jedoch im besten Fall wieder auf breiter gesellschaftlicher Basis konsensfähig wäre. Zur Zeit ist diese Entwicklung jedoch noch lange nicht in Sicht. Vielleicht auch weil im Zuge einer erneuten "Reformation" die Verbeamtung von Pastoren abgeschafft und ein wie immer geartetes Leistungsprinzip für diese Berufsgruppe etabliert werden müsste. Wer sich heute Sonntag morgens in eine Kirchenbank klemmt, bekommt zumeist eine solch erbärmliche Leistung präsentiert, dass sein Geist binnen kurzem peinlich berührt abschaltet.

Es dürfte also eigentlich aus diesen Erfahrungen heraus nicht verwundern, wenn ein Mensch, der die "Idee von Gott" als nach wie vor aktuell empfindet, ihre in der Allgemeinheit etablierte Praktizierung jedoch als völlig unzeitgemäß und ungenügend einstuft, wo nicht aus Lust am eigenen Denken so immerhin aus einer gewissen Not heraus selbst zum Idiom greift und die Frage danach in die eigene Hand nimmt. Ein geistiger "Fahrtensegler". Dilettierend, aber offen für alle neuen Erfahrungen. Unbelastet von institutionalisierter Engstirnigkeit, nur der eigenen Lust auf die Suche nach einer Antwort verpflichtet, die die eigenen metaphysischen Überlegungen befriedigt und dem eigenen Leben und Erleben eine geistige und spirituelle Basis gibt, die über rein intellektuelle und praktische Erwägungen hinausweist.

Die größte menschliche "Erfindung"

Die "Erfindung" des Rades wird oft als eine der größten menschlichen Errungenschaften dargestellt. Aber vermutlich lange vor dieser Erfindung entwickelte der Mensch etwas viel Gewaltigeres: die Idee, dass seine Existenz eingebettet ist in ein größeres Ganzes universell wirkender Kräfte. Sein Umgang mit diesem Wissen war anfänglich sehr grob und diffus, verfeinerte und differenzierte sich jedoch im Lauf der Jahrtausende. Ohne diese Entwicklung, die wohl fast so alt wie die Menschheit ist, hätte es wohl nie eine Entwicklung ethischer und moralischer Richtlinien, nie gesellschaftliche Absprachen, nie eine Zivilisation gegeben. Man darf daher macht- und geldgierige Ignoranten, die sich in grenzenloser Hybris über diese Grundidee unserer Kultur hinwegsetzen, getrost auf einer geistigen Stufe mit Hominiden an der rückwärts gewandten Schwelle zum Primatentum sehen. Wer sich keinem Maßstab als der eigenen Bereicherung und Machtfülle mehr verpflichtet fühlt, entspricht den Anforderungen, die an das Mitglied einer Zivilgesellschaft gestellt werden müssen, ungefähr so weit wie ein Berggorilla. Dass ein solches Wesen fähig war, Jura oder Betriebswirtschaft zu studieren, sagt nur aus, dass es sich um einen intelligenten Berggorilla handelt. Bei der Zuerkennung des Prädikats "Mensch" kommen Schwierigkeiten auf. "Viola un homme" (siehe ein Mensch) galt in der Zeit der Aufklärung als anerkennendes Prädikat. Definierte man doch den "wahren" und anzustrebenden Menschen als ein "sittlich" handelndes Wesen. In dieser Zeit bezeichnete sich ein König als "Erster Diener" seines Staates. Noch kurz zuvor hatte der (Sonnen-)König eines Nachbarlandes postuliert "L´etat - c´est moi" (der Staat bin Ich) - seine Sippe wurde zu recht samt ihrer Hofschranzen von den Zeitläuften hinweggefegt. Heute haben wir wieder solche "Sonnenkönige" und es wird vielleicht bald wieder Zeit für einen "Kehraus". Wer die Notwendigkeit sittlichen Handelns und die Verpflichtung einem größeren Ganzen gegenüber öffentlich und offensichtlich mit Füßen tritt, hat sein Recht auf die Zustimmung einer Zivilgesellschaft verwirkt. Auf das Unappetitliche eines amerikanischen Präsidenten, der sich mit seiner Religiosität prostituiert und gleichzeitig Handlungen von größter moralischer Fragwürdigkeit veranlasst, soll hierbei nicht allzu weit eingegangen werden. Es ist nur eines der vielen Indizien für die oben erwähnte Degenerierung christlicher Kirchen, wenn ein solches Mitglied nicht, ungeachtet seiner Position, aufgrund seiner Taten umgehend von einer solchen Gemeinschaft ermahnt und gegebenenfalls osthentativ ausgeschlossen wird. Aber es gab ja auch in Deutschland genügend geistliche Würdenträger, die mit dem Hitlerregime kooperierten. Nicht dass das eine Regime mit dem anderen verglichen werden soll - nota bene: es geht um die Defizite der Kirchen, die sich in meinen Augen bei beiden Beispielen, nur in verschiedenen Spielarten, zeigen.

Mein Gott

Es ist schwierig, heute noch sprachlich mit dem Ausdruck "Gott" zu operieren. Er ist so nichtssagend und missverständlich geworden wie "Liebe". Nicht umsonst fordern die "Zehn Gebote", dass man "den Namen des Herrn nicht vergeblich im Munde führen" solle. Das wurde gründlich missachtet. Mit dem Resultat, dass der Ausdruck heute die sprachliche Strahlkraft und Autorität eines ausgelutschten Kaugummis hat. Dass dem so ist, zeigt wiederum deutlich, dass alles, was mit diesem "Gott" zusammenhängt, von heutigen Machthabern zur Verwahrlosung freigegeben wurde. Dabei ist auch hier anzumerken, dass wir keine Alternative haben. Es ist schwierig, in einem Text wie diesem ständig Umschreibungen wie "Die Idee von Gott" oder "Alles umfassende Kraft" zu verwenden. Deshalb werde ich im weiteren bei "Gott" bleiben. Wie der Ausdruck sinngemäß von mir belegt ist, wird durch die Ausführungen deutlich werden.

Je weiter die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft fortschreiten, um so mehr zeigt sich, dass "im Himmel wie auch auf Erden" alle Gesetzmäßigkeiten wie ein riesiges Räderwerk ineinander greifen. Als Beispiel die von Joachim Ernst Behrendt erwähnten Parallelitäten zwischen Schwingung und Distanzen. Die auf einem Monochord gegriffenen Töne entsprechen in ihrem Abstand auf der schwingenden Saite exakt den entsprechend hochgerechneten Abständen zwischen den Planeten unseres Planetensystems. Variierungen dieser Abstände ergeben nur "halbe" oder "viertel" Töne, aber nie "Ganze". Ebenso verhält es sich mit allen anderen Verhältnismäßigkeiten zwischen uns bekannten Systemen, wie immer wieder wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen. Es gibt also, unsere Vorfahren ahnten es, wir wissen es immer sicherer, ein "Großes Gesetz", das unsere Welt bis ins Kleinste und das All bis ins Größte zusammenhält und regelt. Die Auswirkung dieses Gesetzes wurden durch Abertausende von Menschheitsgenerationen beobachtet, die Beobachtungen wurden gesammelt, mit einander verglichen, gedeutet. Und das immer wieder neu mit immer neuen Fakten in immer wieder neuen Verbindungen und Deutungen über die ganze Entwicklung der Menschheit hinweg. Das führte nach den Modellen "Götze" und "Götter" zu der großartigen Entwicklung der Idee und Definition eines einzigen Gottes. Ein Symbol für die alles umfassende in allem wirkende Kraft. Dafür, dass diese Idee großartig war, spricht ihre Verbreitung, nachdem sie durch die Nazarener (s.o) intellektuell "aufbereitet" und mit Anleihen asiatischer Lehren und römisch/griechischer Philosophie angereichert worden war. Eine große Leistung dieser Gruppe war, die Lehre in eine populär vermittelbare Form zu bringen. Versetzt mit Bildern, Gleichnissen und Metaphern konnten die so veranschaulichten Inhalte auch einem weitgehend ungebildeten und dadurch nur bedingt zu abstraktem Denken trainierten Auditorium von Analphabeten verständlich gemacht werden. Unser heute verwendeter Gottesbegriff basiert in vielen aspekten darauf. Wenn aber heute die Kirchen diese Metapher noch immer anführen wie eine personalisierte Figur, kommt sich mit Recht die Mehrheit der Menschen so veräppelt vor, wie wenn gefordert wäre, das Kasperle im Theater als lebendig agierende Person zu begreifen.

Es war ein nicht hoch genug einzuschätzendes Verdienst Martin Luthers, die Bibel in ein allgemein verständliches Deutsch zu übersetzen und damit dem exklusiven Zugriff einer kleinen Gruppe von Kirchengeistlichen zu entreißen. Wann wird es eine neue Gruppe von "Nazarenern" geben, die die Lehren der Bibel und anderer Weisheitssammlungen zusammenfasst, abgleicht und begrifflich wie sinngemäß auf einen aktuellen Standart bringt? Eine solche Gruppe (und ich denke, nur eine breite Gruppe von Menschen wäre in der Lage, diese gewaltige Aufgabe zu meistern) dürfte sich des entschiedenen Widerstands der Kirchen und ähnlicher Institutionen sicher sein, wie das Beispiel von Prof. Hans Küng (s.o.) zeigt. Wenn unsere Kultur nicht an der eigenen Hybris, geboren aus dem aktuellen Defizit an moralischen "Standarts", scheitern soll, ist das furchtlose Beginnen dieser Mammutaufgabe jedoch ohne Alternative.