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The "Man next God"

 

Das Genie beherrscht das Chaos - der Skipper sollte mehr können.

Ob er nun Besitzer des Schiffs ist, oder dies nur geliehen (zu neudeutsch "gechartert") hat, ob er der Erfahrenste der Crew ist oder der mit den meisten Scheinen oder alles zusammen – vor Gott, oder zumindest vor der Mannschaft, ist er der bestimmende Faktor, der das Unlösbare (ergo: Spannungen innerhalb der Mannschaft) löst, das Unbeherrschbare (ergo: Wind und Wetter) beherrscht, das Unübersichtliche (ergo: die Navigation und die Eigenheiten des Schiffes) übersieht oder zumindest auf glaubhafte Weise den Anschein erweckt, dies alles zu können.

Da kein Mensch dies alles wirklich können kann, bleibt dem Skipper nur das Letztere, nämlich das gekonnte Erwecken des Anscheins. Und damit findet sich der Skipper plötzlich in naher Verwandschaft zu einer Gruppe von FunktionsTrägern, in deren Nähe er und die meisten seiner Kollegen sich ursprünglich nicht ohne weiteres sehen, nämlich in der Tradition von Schamanen, Priestern, Medizinmännern und anderen Mittlern zwischen dem Menschen im Speziellen und der übrigen Schöpfung im Allgemeinen.

Wer in der Vorstellung lebt, einen Skipper qualifiziere in genügender Weise das Wissen um GlockenTonnen, CumulunimbusWolken und der gekonnte Umgang mit Zirkel und Sextant, der erliegt einem fatalen Irrtum, der um so verhängnisvoller dort ist, wo der Skipper ihm selbst erliegt. Viele Katastrophen vom "verhagelten" KaffeeTörn am SonntagNachmittag bis zu Mord und TodSchlag auf hoher See (mit allen dazwischen angesiedelten Varianten) haben ihre Ursache in einer solchen FehlEinschätzung. Alle, selbstverständlich unabdingbaren, "PrimärTugenden" bilden nur die Oberfläche eines sehr komplexen Kataloges von Qualitäten, welche erst in ihrem harmonischen Zusammenspiel das angenehme Gelingen einer Reise oder zumindest den gefahrlosen Ablauf eines Törns ermöglichen.
Segeln wir also weiter zu den SekundärTugenden, den "weichen" Faktoren der Skipperfähigkeiten. Mit ihnen erst beginnt im eigentlichen Sinne die wünschenswerte Bewahrheitung des Attributs "man next god". Hier beginnt das Universum der Intuition, des Einfühlungsvermögens, der Kreativität und des KombinationsVermögens. Diesem Universum und seinen BestandTeilen soll an dieser Stelle eine etwas detaillierte Betrachtung gewidmet sein:

Die einzelnen Crewmitglieder stellen bereits jeder für sich eine individuelle Welt dar, welche in ihrer eigenen Befindlichkeit erkannt, beachtet und im Verhältnis zur Mann(Frau-)schaft möglichst harmonisch und effizient eingebunden werden muss. Eine Aufgabe, welche zu oft hinter vordergründigen Betätigungen des Skippers vernachlässigt wird. Dem gegenüber stehen die Menschen, die bei LandKontakten - nur als Beispiel - AnkerManöver beobachten und meist wiederum viel zu intensiv wahr- und wichtiggenommen werden. Schon hier ist also eine kluge und gelassene Abwägung der Prioritäten durch den Skipper gefragt. Und er wird diese Aufgabe ganz sicher weder durch die Lektüre einschlägiger FachLiteratur noch durch die diffuse Hoffnung auf SelbstordnungsMechanismen, wie man sie aus der ChaosTheorie kennt, auch nur befriedigend meistern können. LebensErfahrung und die Fähigkeit der SelbstEinschätzung sind gefragt und nicht zuletzt die Begabung zum Schamanen, zum Mittler zwischen den Welten, um einen harmonischen Mikrokosmos auf ein paar Metern Schiff fernab der übrigen Halt und Richtung gebenden Zivilisation zu ermöglichen. Und "fernab" beginnt spätestens mit dem ersten Zentimeter, den das Boot nach dem Ablegen zurücklegt. Ab dieser Sekunde ist ein Schiff ein eigenes kleines Universum, das nach seinen eigenen Gesetzen, im besseren Fall denen eines weisen oder doch zumindest klugen Skippers, funktioniert.

Auch wenn alleine damit schon jeder zweite ReiseLeiter einer Busreise zu den Pyramiden oder Neuschwanstein völlig überfordert ist, fängt hier erst der Reigen der Anforderungen an, die an einen Skipper gestellt werden, denn nun erst beginnt ja im eigentlichen und sichtbarsten Sinne der weite Bereich "next god": Der Umgang mit den umgebenden Elementen. Und jeder Skipper wird in regelmäßigen Abständen Situationen erleben, in denen er sich jenen biblischen Propheten sehr verbunden fühlt, die berichteten "Gott" im Sturm und anderen NaturPhänomenen gesehen oder gar gehört zu haben. Der Skipper ist die Person an Bord eines Schiffes, welche die Verbindung zu diesen Elementen herstellt, oder von dem dies zumindest erwartet wird. Und da er eben, wie seine Kollegen, die Schamanen und Priester, auch nur einen sehr bedingten "Draht nach oben" hat, ist er darauf angewiesen, das Säckchen an Wissen, das er durch Ausbildung und Erfahrung gesammelt hat, möglichst effizient einzusetzen und im übrigen die daraus gewonnenen Erkenntnisse möglichst gut zu "verkaufen". Nicht anders arbeiten seine Kollegen. Und mancher Skipper wäre wohl beraten, einmal einen Kurs beim Schamanen eines NaturVolkes zu belegen. So befremdend es für mach Uneingeweihten auch klingen mag – die Anforderungen an diese beiden Tätigkeiten ähneln sich im Grunde bis auf unwesentliche äußere Details.

Ist sich der Skipper dieser Tatsache bewusst, wird er sich, wenn er seine Aufgabe gut macht, vielleicht als Einziger der Crew auch seiner GottFerne trotz seiner Position "next god" bewusst sein und nie dem Irrtum obliegen, sich selbst in eine gottähnliche Position zu rücken oder rücken zu lassen. Bei den TriumphZügen der römischen Herrscher fuhr auf den Streitwagen der siegreichen Eroberer stets ein Bediensteter mit, der, den obligaten LohrbeerKranz über dem Gefeierten haltend, diesem stets zuzuflüstern hatte: "Bedenke, dass Du ein Mensch bist." Sicher wird einem fachlich und mental fähigen Skipper wie auch einem Schamanen durch seine "Gemeinde" (ergo. Crew) eine eventuell fast magisch anmutende Kompetenz im Umgang mit seinem Metier zugesprochen – leider gibt es jedoch immer wieder Fälle, in denen diese Zustimmung zu fataler SelbstÜberschätzung des Skippers führt – sofern diese Kompetenz nicht ohnehin nur in seinem eigenen Dafürhalten existiert – aber hier soll ja über den fähigen Skipper nachgedacht werden.

Gerade in der Position des "man next god" sollte einem Skipper, dem die Bedeutung dieser Position in seinem vollen Ausmaß bewusst ist, ebenso bewusst sein, wie sehr er sich in einen Dienst gestellt hat, der viel SelbstBescheidung von ihm fordert. Je mehr er sich jedoch dessen bewusst ist oder wird, desto mehr wird ihm diese Aufgabe – ist es zu hoch gegriffen, wenn ich sage: Erkenntnis, ja - Weisheit? – zurückgeben. Wodurch sich vielleicht die persönliche Distanz zu "Gott" (unter dem sich jeder vorstellen möge, was ihm beliebt) mit der Zeit doch ein klein wenig verringert.

Mit der ihm dadurch zuwachsenden Autorität wird der kluge Skipper umgehen, wie die kluge Dame mit den Utensilien ihres SchminkKöfferchens: Das beste Make-up ist das, welches wirkt, ohne dass es von den Bewunderern bewusst wahrgenommen wird. Die beste Autorität ....

 

Bemerkung zum Schluß: Die SkipperBilder auf dieser Seite habe ich durch intensive Recherche im Internet gefunden. Falls ein Skipper sich bei diesen Bildern wiederfindet, und mir nicht erlauben will, sein Konterfei an dieser Stelle abzubilden, da er "das alles" für ausgemachten Quatsch hält, bin ich sehr dankbar, wenn er sich bei mir meldet - es kann dann effizienter vor ihm gewarnt werden. Andererseits kann ich aus nachvollziehbaren Gründen keine Gewähr dafür übernehmen, dass die hier abgebildeten Herren der in diesem Text beschriebenen Tugenden mächtig sind....    ;-)